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THEMA: Freiheit bis zum Tod

Freiheit bis zum Tod 19 Dez 2015 13:33 #1

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2015 sind besonders viele Bergwanderer verunglückt – Konsequenzen ziehen Verbände und Politik daraus nicht

Zeitungsleser erwartete dieses Jahr fast jeden Montag die gleiche Nachricht: „Bergwanderer am Wochenende tödlich verunglückt“. Allein in der letzten Juniwoche kam es in Österreich zu 13 tödlichen Alpinunfällen. Insgesamt sind im Sommer 87 Wanderer und Kletterer in den österreichischen Bergen ums Leben gekommen – 18 mehr als im Vorjahreszeitraum. 36 Prozent davon waren deutsche Staatsbürger. Selbst im Dezember kam es wegen des sonnigen Wetters noch zu tödlichen Abstürzen. Der Schweizer Alpen-Club meldete für 2015 genau 150 Bergtote – eine Steigerung um 50 Prozent. Auch in Bayern sind die Notfalleinsätze von 5830 im vergangenen Jahr auf 6935 in diesem Jahr gestiegen. Genauere Zahlen gibt es bisher nicht. Sie werden laut Innenministerium zur Unfallforschung dieses Jahr erstmalig gemeinsam mit dem Kuratorium für Alpine Sicherheit erhoben. Der deutsche Alpenverein (DAV) geht aber von 30 bis 40 toten Mitgliedern pro Jahr aus – wegen des Hitzesommers dürfte dieses Jahr aber wie 2003 ein Ausreißerjahr sein.

Der Grund für die Zunahme der tödlich verunglückten Wanderer ist neben dem guten Wetter die zunehmende Popularität des Bergsports. Die Mitgliederzahlen des DAV haben sich von 200 000 im Jahr 1970 auf 1,1 Millionen erhöht. So verwundert es nicht, wenn zwischen 2008 und 2012 in den bayerischen Alpen 15 und in Österreich sogar 73 neue Klettersteige in den Berg gehauen wurden. Die wachsende Beliebtheit zeigt sich nicht zuletzt an den 450 Kletterhallen in Deutschland mit nicht selten über 1000 Quadratmetern und der Umsatzsteigerung der Outdoorbranche von 1,4 auf 1,8 Milliarden Euro innerhalb von fünf Jahren. Das neue Equipment wiegt allerdings viele in falscher Sicherheit: Berghüttenwirte berichten von einem großen Vorrat an Blasenpflastern, weil die Schuhe noch nicht eingelaufen sind. Oder davon, wie junge Menschen nach einer durchzechten Nacht vor dem Klettersteig noch ein Weißbier trinken. Nebelhorn-Hüttenwirt Matthias Geiger erinnert sich sogar an Nachfragen nach Klebeband, weil die Bergwanderer ihre Schuhsohlen wieder ankleben wollten.

„Grundsätzlich liegen die Ursachen meist in Selbstüberschätzung und mangelnder Ausrüstung“, bestätigt die Geschäftsführerin des bayerischen Wanderverbands, Susanne Göller. Ein weiterer Grund seien die immer stärker ausgebauten Klettersteige, die eigentlich nur von sehr gut ausgebildeten Kletterern mit hervorragender Kondition bestiegen werden könnten. „Die Aufstiegshilfen vermitteln darüber hinaus ein trügerisches Gefühl der Sicherheit.“ Tatsächlich ist laut österreichischem Kuratorium für alpine Sicherheit die häufigste Unfallursache beim Bergwandern schlicht ein falscher Schritt: 40 Prozent der Todesfälle ist auf Stolpern zurückzuführen. 37 Prozent der Unfälle wurden durch Herz-Kreislauf-Versagen verursacht. Lediglich zehn Prozent der Bergwanderer verunglücken tatsächlich durch einen Absturz.

Die häufigste Todesursache: Stolpern

Bergwanderer zu einer Schulung verpflichten will die Politik trotz der gestiegenen Notfalleinsätze nicht. Die bayerische Verfassung garantiert das Recht auf „Zugang zu den Naturschönheiten“, argumentiert beispielsweise der Landtagsabgeordnete und passionierte Bergsteiger Florian von Brunn (SPD). Eine Art Führerschein, wie er zum Beispiel beim Segeln, Tauchen oder Surfen vorgeschrieben ist, lehnt er daher ab. „Es kann nicht sein, dass nun noch bürokratische Hindernisse für Bergtouren geschaffen werden“, ergänzt Joachim Hanisch (Freie Wähler). Wichtig sei eine gute Ausschilderung – der Rest müsste dem „gesunden Menschenverstand mündiger Bürger“ überlassen werden. Die Grünen glauben auch nicht, dass die Einführung eines Bergführerscheins in der Praxis durchführbar wäre. Die Berg- und Wanderverbände setzen ebenfalls auf freiwillige Schulungen. Dabei kostet die Bergrettung viel Zeit und den Steuerzahler viel Geld.

3200 ehrenamtliche Bergretter helfen in den bayerischen Alpen und Mittelgebirgen Menschen in Not. Drei Millionen Euro erhält die Stiftung Bergwacht dafür vom Freistaat, weitere drei Millionen Euro von den Krankenkassen. Zusätzlich müssen die Bergwachten vor Ort Spenden eintreiben, um die laufenden Kosten stemmen zu können. „Lediglich für nicht notfallmedizinische Einsätze werden nach dem Verursacherprinzip Rechnungen an Einzelpersonen gestellt“, erläutert Roland Ampenberger vom Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung. Die Forderung des Bergrettungsdiensts Tirol, Tourismusverbände an den Kosten für die Bergrettung zu beteiligen, lehnen das Innenministerium und die Opposition allerdings ab. „Das widerspricht dem Solidarprinzip“, argumentiert der Grüne Ulli Leiner. „Dann müssten ja auch Fußballverbände, Fahrradclubs und viele andere Freizeitverbände an den Kosten beteiligt werden.“

Der DAV allerdings, der einen Teil seiner Mitgliedsbeiträge an die Bergwacht abführt, findet die Idee die durchaus „spannend“. „Der Tourismus profitiert von den Wanderern, wirbt damit und zieht einen Gewinn daraus“, erklärt der Ressortleiter Breitenbergsport, Stefan Winter. Er könnte sich daher eine Art Kurtaxe vorstellen, die in Bergregionen wie Berchtesgaden von den Gästen gezahlt und an die Bergrettungsdienste weitergeleitet wird. Vor allem die um 46 Prozent gestiegenen „Blockierungen“ würden hohe Kosten verursachen. Das sind Situationen, in denen sich Menschen verlaufen, in denen sie dehydriert sind oder am Berg weder vor noch zurückkommen. Winter mahnt Kletterer und Bergwanderer daher wieder zu mehr Respekt und Demut vor den Bergen. Das Recht auf Risiko und damit zur eigenverantwortlichen Selbstgefährdung müsse aber bestehen bleiben: „Die Freiheit und Unsicherheit, in Notlagen zu kommen, macht doch den Bergsport aus.“ (David Lohmann)
Quelle: www.bayerische-staatszeitung.de/staatsze...eit-bis-zum-tod.html
"Ich wurde oft falsch verstanden. Häufig unternahm ich Dinge, die für andere eine Provokation waren."
Walter Bonatti (1930-2011)
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Freiheit bis zum Tod 19 Dez 2015 14:00 #2

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Eine Art Bergsteiger- / Bergwanderführerschein?
Was soll das auch bringen?

Wenn so etwas eingeführt werden würde, müsste man auch die jährliche Zwangsuntersuchung beim Arzt einführen, ob denn auch die Kondition stimmt. Zusätzlich müssten standardisierte Koordinationstests ausgeführt werden, ob denn auch die Trittsicherheit und Koordination passen.
Erst dann erhält man eine Chipkarte um die dann von hohen Zäunen umgebenen Berge betreten zu können.

Übrigens werden dann auch im Flachland Wälder umzäunt werden müssen und jeder, der sich in die Wildnis (auch Stadtparks) begibt, muss sich mit einem GPS-Chip unter der Haut chippen lassen, welcher auch gleichzeitig die Herzfunktion, den Blutdruck und den Blutzucker überwacht (gibt es übrigens schon...) welcher diese Daten automatisch an die Leitzentralen von Google, Amazon, den Krankenkassen und den Rettungsleitstellen sendet.

An jedem Klettersteig wird dann noch ein Kurztest ausgeführt, um den aktuellen theoretischen und praktischen Wissensstand zu hinterfragen und nach Bezahlung des Eintrittes (das Ganze muss ja auch finanziert werden), darf man dann sich in das Abenteuer begeben.

Der ganze Aufwand zeigt, dass auch das jetzt noch als gesund einzustufende Bergwandern doch eher Extremsport ist, was gleich auch die Krankenkassenbeiträge für diese Art DRAUFGÄNGER (Draufgänger = Typ Mensch, der das Haus und die Playstation verlässt, um sich waghalsig in der gefährlichen Natur fortzubewegen.) ansteigen lässt.
Zum Glück haben wir hier alle Bestien, die sich früher auch noch in den Bergen aufgehalten haben (Bären, Wölfe, Adler, Geier, Yeti) bereits vernichtet, sonst wäre die Zahl der Bergtoten noch höher als heute...

Wenn man jedoch nicht so mutig ist, so gibt es bald für die Wii einen Bergwander- und Klettersteigsimulator geben. Die Benutzung eines solchen praktischen Simulators wird dann übrigens von den Krankenkassen mit 100 Bonuspunkten pro Jahr honoriert, denn man hat festgestellt, dass Bewegung doch gesundheitliche Vorteile bringen kann.

Stefan.
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Freiheit bis zum Tod 19 Dez 2015 14:16 #3

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Und wir alle müssen uns dann ein IWatch zulegen, da nur Apple über die nötige Hard- und Software verfügt... Und der Vorteil: Es wird nicht nur unser Kreislauf, Blutdruck und die Kondition Übermacht sondern gleich auch wir selber von der NSA... Perfekte Welt, die uns da bevorsteht :S :woohoo: :blink:...
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Walter Bonatti (1930-2011)
Letzte Änderung: 19 Dez 2015 14:17 von kletterkiki.
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Freiheit bis zum Tod 19 Dez 2015 14:30 #4

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In der sind wir schon. Es gibt schon einige Leute, die sich chippen lassen haben... Angeblich total sicher und nur aus 20 cm auslesbar...
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Freiheit bis zum Tod 19 Dez 2015 19:35 #5

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stschwar schrieb:
In der sind wir schon. Es gibt schon einige Leute, die sich chippen lassen haben... Angeblich total sicher und nur aus 20 cm auslesbar...

Katzen chipt man, aber Menschen? Wenn das kommt, dann werde ich mich weigern... Irrer Gedanke, aber, dann kann die ein anderer per Mausklick das Lebenslichtlein ausblasen...
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Letzte Änderung: 19 Dez 2015 19:37 von kletterkiki.
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Freiheit bis zum Tod 20 Dez 2015 08:55 #6

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kletterkiki schrieb:
...Vor allem die um 46 Prozent gestiegenen „Blockierungen“ würden hohe Kosten verursachen....

So richtig habe ich das noch nie verstanden.
Die Rechnung für eine Bergung wird doch zuerst einmal dem Geretteten nachhause geschickt.
Sogar wenn er (z.B. über den DAV) versichert ist, bleibt er doch weiterhin gegenüber der Rettungswache der Schuldner.
Deshalb ist in jedem Fall - ob versichert oder nicht - das Geld für den Rettungseinsatz doch einklagbar!!!
Machen die Rettungsdienste das denn nicht?
Wenn nein, warum nicht?

Zu diesem abstrusen (fiktiven) Bergwanderführerschein:
Ich habe es schonmal ähnlich an anderer Stelle geschrieben.
Ich bin der Meinung, dass ich, wenn ich in den Bergen irgendwann mal
nach "meinen Papieren" gefragt werde, alles an den Nagel hängen werde.
Aber wer weiss, vielleicht ist diese perfide Art der Bergwanderer-Reduzierung ja auch irgendjemandes erklärtes Fernziel.

Dass Blockierte eine Bergung selbst zahlen sollen - ich verstehe das jetzt mal so, dass dann auch keine Versicherung greifen würde -
lehne ich persönlich ab, weil dieser Fall auch bei sorgfältiger Planung eintreten kann und jeden von uns treffen kann.
Für diesen Fall gibt es schliesslich Versicherungen - und die verdienen immernoch dran, sonst gäbe es solche Verträge nicht.

Persönlich fände ich die Idee des Rettungspfennigs (gerne auch mehr) nach Vorbild der Kurtaxe ideal,
um zumindest die Bergrettung aus ihrer Geldnot zu holen:
joecool schrieb:
Tourismussteuer:
"Mit einem Cent pro Nächtigung wäre der Bergrettung schon geholfen", so Peter Veider, Geschäftsführer der Tiroler Bergrettung. Das wären 450.000 € pro Jahr.
Für den Urlauber wohl kein Problem, wenn er anstatt 1,00 € dann 1,01 € Kurtaxe pro Nacht bezahlt, oder? Ich bin dabei, wenn damit der Bergrettung geholfen wird.
Bis dahin sind 20 € Förderbeitrag für die Bergrettung in Österreich für alle interessant, die nicht Mitglieder im DAV sind.
Quelle: http://mobil.krone.at/ng/phone/kmm__1/app__CORE/sendung_id__32/story_id__469083/story.phtml


LG, Markus
Der Mensch plant und Gott lacht...
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Freiheit bis zum Tod 20 Dez 2015 12:40 #7

  • stschwar
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Da eine Blockade eine Reaktion auf eine akute Panikattacke ist, die im Extremfall im Absturz endet und außerdem jeder betroffen sein kann, Anfänger sowie Profi, wird der Einsatz bezahlt werden.

Genausogut könnte man ja auch sagen, der Herzinfarkt im Gebirge kam nur deshalb zustande, weil sich der gute Mensch im Gebirge gerade verausgabt hat. Deshalb ist er selbst Schuld und darf die Kosten selber tragen...
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