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THEMA: KS-Set gerissen...

KS-Set gerissen... 06 Jun 2013 18:38 #106

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Hansi Hinternseher schrieb:
"Der Alpenverein rät, sich niemals zu übernehmen und sich allein aufs Material zu verlassen. Die häufigsten Unfälle entstünden durch blockierte Klettersteige" ... zitiert die online-Ausgabe des Remscheider Generalanzeigers den Alpenverein...

Als Mitglied des Alpenvereins verlange ich eine Rückrufaktion für diese dilettantischen Formulierungen, bevor jemand zu Schaden kommt, weil er sich "allein aufs Material verlässt" und in der Staugefahr auf Klettersteigen das größte Unfallrisiko sieht!

Naja der Satz ist schlampig formuliert, es sollte wohl heißen: "Der Alpenverein rät, sich niemals zu übernehmen und sich allein aufs Material zu verlassen. Die häufigsten Unfälle entstünden durch blockierte Klettersteiggeher"

dann ergibt der Satz Sinn :)

wobei natürlich der Steig durch einen blockierten KS-Geher in Endeffekt dann auch blockiert wird - das ist dann aber Wirkung und nicht mehr Ursache :woohoo:
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KS-Set gerissen... 06 Jun 2013 19:59 #107

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Es geht eher um die Formulierung "und sich allein aufs Material zu verlassen". Man soll sich also nicht übernehmen, stattdessen nur auf das Material verlassen.
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KS-Set gerissen... 06 Jun 2013 20:55 #108

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ahh, ok jetzt verstehe ich erst was euch an den Satz so stört :laugh:

wobei auf diesen Sinn wäre ich nie gekommen also "das ich mich alleine auf das Material verlassen soll" und so ist der Satz auch nicht gemeint und ich hab es von Anfang an genau umgekehrt gelesen und hab mir deshalb auch nichts dabei gedacht...

ok so wäre es noch eindeutiger:

Der Alpenverein rät, sich niemals zu übernehmen und sich "niemals" allein aufs Material zu verlassen. Die häufigsten Unfälle entstünden durch blockierte Klettersteiggeher

Deutsch ist schon manchmal eine schwere Sprache :woohoo:
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KS-Set gerissen... 09 Jun 2013 16:54 #109

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Hier auch nochmal aus ausführlicher Artikel über Hergang und Urteil:

"Ein 33-jähriger Tirol-Urlauber und Hobby­kletterer aus Deutschland sah sich gestern am Landesgericht nicht nur mit einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen, sondern auch mit zahlreichen Medienvertretern und Alpin-Experten aus dem deutschsprachigen Raum konfrontiert.

Grund für das breite öffentliche Interesse: Im August hatte der Mann mit einem 17-jährigen Pensionsgast die als äußerst schwer eingestufte Direttissima des Walchseer Ottenalm-Klettersteigs durchstiegen und musste erleben, wie sein schon geschwächter Begleiter erst in das Kletterset und dann durch einen Riss desselben in die Tiefe stürzte.

Ein Ereignis, das aufgrund eines versteckten Mangels laut Alpin-Gerichtssachverständigem Michael Larcher vorher von Fachwelt und Industrie für unmöglich gehalten wurde: Die Ursache der Materialermüdung war eine Verwebung von elastischen und tragenden Fasern aus Polyamid, die durch häufigen Gebrauch zu überproportionaler Festigkeitsabnahme führte. Alarmierende La­bortests weiterer gebrauchter Klettersets führten dann zum größten Ausrüstungsrückruf der Klettersportgeschichte.

Trotzdem war der 33-Jährige angeklagt worden, da er nach Ansicht der Staatsanwaltschaft gegenüber dem Unerfahrenen als faktischer Kletterführer agiert hat. Dabei habe er einen unangemessen schweren Klettersteig gewählt und den 17-Jährigen darauf auch nicht einmal mit einem Seil gesichert.

Der Prozessverlauf zeigte jedoch ein anderes Bild auf. Nicht nur, weil sich Alpin-Richter Norbert Hofer extra die Mühe machte und den Klettersteig zwecks besserer Ortskunde selbst bestieg.

Ergaben doch Aussagen zudem, dass es sich bei dem 17-Jährigen nicht nur um einen schwindelfreien Dachdecker, sondern um einen begeisterten Sportler handelte. Der 33-Jährige hatte wiederum selbst erst vier Klettersteige bewältigt. Richter Hofer schloss sich deshalb den Argumenten von Verteidiger Hubert Stanglechner an und verneinte nicht nur das Vorliegen eines faktischen Kletterführers, sondern fällte auch ansonsten einen umfassenden Freispruch.

Hofer: „Sie sind selbst relativ unerfahren und wählten den gefährlichen Steig mit dem 17-Jährigen zusammen aus. Im Steig kam ihnen dabei keine Führungsrolle zu. Der 17-Jährige wurde von ihnen zudem auch in keiner Weise über die Gefährlichkeit des Steigs oder der Sportart getäuscht.“

Auch sei die „Mitnahme eines Seils für Kletterer nicht üblich, sondern nur für Instruktoren oder Alpenvereinsführer bei Kindern und Anfängern empfohlen“. Letztlich habe auch „niemand mit einem Riss des Sets und somit mit einem Totalabsturz rechnen können“."

Quelle: www.tt.com/%C3%9Cberblick/Chronik/Chroni...32-j%C3%A4hrigen.csp
"Ich wurde oft falsch verstanden. Häufig unternahm ich Dinge, die für andere eine Provokation waren."
Walter Bonatti (1930-2011)
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KS-Set gerissen... 27 Jun 2013 21:30 #110

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Heute gab es im ORF in der Sendung HeuteKonkret einen kurzem Beitrag zum Thema Klettersteig, im Speziellen zu den Unfall, den Rückrufaktionen, Falltests und allgemein zum Thema Sicherheit auf Klettersteigen.

Wer die Entwicklung in letzter Zeit verfolgt hat der erfährt in dem Beitrag sicher keine großen Neuigkeiten - uninteressant ist er aber trotzdem nicht. :)

tvthek.orf.at/programs/4660549-heute-konkret
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